Gefühle fühlen

Es kann viel Mut erfordern, wirklich bei unseren Gefühlen zu bleiben und uns ihren kraftvollen Energien hinzugeben. Allzu oft schieben wir unsere Gefühle beiseite und denken, dass wir uns später mit ihnen befassen werden. Wenn wir uns aber nicht mit ihnen beschäftigen, speichern wir sie in unserem Geist und Körper, und dann können Angstzustände und andere gesundheitliche Probleme entstehen. Wenn wir das, was unser Körper fühlen will, verleugnen, kann das jetzt oder später zu Problemen führen. Deshalb ist das Beste, was wir für uns selbst tun können, wenn wir uns unseren Gefühlen stellen, ganz gleich, wie beängstigend es scheint.  

Wir können dabei auf unsere eigene Fähigkeit vertrauen, das zu verarbeiten, was auftaucht, wenn es auftaucht. Wenn z. Bsp. Traurigkeit aufkommt, können wir sie wahrnehmen und willkommen heißen, indem wir bemerken, wo wir sie in unserem Körper spüren, und uns erlauben, sie durch Tränen, Bewegung oder eine stille Hinwendung nach innen auszudrücken.  

Wenn wir uns erlauben, unsere Gefühle voll und ganz zu fühlen, können wir sie meist mit Leichtigkeit loslassen, denn unsere Gefühle wollen einfach nur gefühlt werden. Oft verkomplizieren wir aber die Situation, indem wir über die Gefühle nachdenken, sie analysieren und schlimmstenfalls durch eine Geschichte verstärken oder dramatisieren, obwohl wir ihr Dasein eigentlich nur erlauben müssen, so wie die Erde dem Regen erlaubt, auf sie zu fallen. Wenn der Regen fällt, reagiert die Erde auf vielfältige Weise: manchmal lässt sie sich vom Wasser auswaschen und bildet einen großen Canyon, manchmal saugt sie es auf, um eine unendliche Anzahl von Pflanzen zu nähren.

In gleicher Weise ist es der tiefere Zweck unserer Gefühle, das Terrain unserer inneren Welt zu verändern, manchmal Raum zu schaffen, damit mehr Gefühle fließen können, manchmal Nahrung für Wachstum zu liefern. Alles, was wir tun müssen, ist, den Prozess zu erlauben, indem wir uns dem Körper zuwenden, durch ihn die Gefühle fühlen und dadurch ihren Reichtum wieder empfangen.

Möge Dir die Übung dabei helfen, Deine Gefühle mit Hilfe Deines Körpers zu fühlen und sie so ins Fließen zu bringen.

Übung
Am besten machst Du diese Übung abends bevor Du ins Bett gehst.Du kannst dabei sitzen oder stehen.

  • Atme einige Male tief ein und aus. Konzentriere dich dabei auf deinen Körper und geh ganz in Kontakt mit ihm.
  • Nimm die Reaktionen deines Körpers wahr: vielleicht spürst Du da ein Zwicken, da ein Vibrieren, dort einen Schmerz etc.
  • Erlaube deinem Körper jetzt alle Bewegungen auszuführen, die er braucht, um die Gefühle, die an diesem Tag nicht gefühlt wurden, auszudrücken und dadurch zu fühlen.
  • Lass dich jetzt von deinem Körper führen und bewege dich so, wie er das möchte. Vertraue Dich dabei Deinem Körper an. Mach dies solange, bis kein Impuls mehr von ihm kommt.
  • Spüre dann nach und bemerke, wie sich Dein Körper jetzt anfühlt.
  • Bedanke Dich dann bei ihm und geh bald schlafen.

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